
Meine erste Nacht im neuen Jahr verbrachte ich in Edinburgh. Weil mein Flugzeug Verspätung hatte, bekam ich abend meinen Zug nicht mehr und musste bis zum nächsten Morgen warten.
Ich gebe zu, die Überschrift ist nicht besonders überraschend. Winter gibt es ja auch in Deutschland. Allerdings nutze ich die Möglichkeit mal schöne Schneefotos zu präsentieren. Der Schnee ist schon seit anderthalb Wochen wieder geschmolzen. Es liegen nur noch vereinzelt einige grau-schwarze Eisreste an so manchem Straßenrand herum.
Normalerweise ist der Schnee hier – wie in Deutschland – weiß. Das sieht auf den ersten Blick sehr schön aus. Auf dem zweten eigentlich auch. Allerdings sind die Briten diesen Anblick weniger gewohnt. Hier fällt vielleicht einmal im Jahr Schnee – im letzten Jahr soll es sogar überhaupt keinen gegeben haben. Allerdings bleibt der normalerweise nicht einmal eine Nacht lang liegen. Nun gab es aber von Weihnachten bis zum 10. Januar aber Schnee. Zu Beginn waren alle sehr froh darüber. Man sah Erwachsene, die sich im Schnee wälzten oder Schneeballschlachten veranstalteten.
Aber größtenteils waren die Menschen doch sehr unvobereitet. Sie gingen vorsichtig über die Straßen oder trugen Gummistiefel, weil es einfach keine Winterschuhe gibt.
Dummerweise gibt es noch einige andere Dinge nicht. Zum Beispiel so Essenzielles wie Winterreifen, Schneeschieber, Streusalz oder so etwas wie einen Winterdienst. Das Resultat war, dass nirgends Schnee geschoben wurde und man daher durch 20cm hohe Schneeberge auf jedem Bürgersteig laufen musste.
Das war auch gar nicht so schlimm, bis die Feiertage vorbei waren und man plötzlich wieder auf sein Auto zurückgreifen musste. Da die Nebenstraßen noch voller Schnee lagen, kamen die meisten nur mithilfe von unter den Reifen platzierten Pappen los. Viele Autos wurde auch einfach geschoben. An der ersten Kreuzung schlitterten die Fahrzeuge dann aber geradeaus statt abzubiegen. Da Wenden – gerade auf Hängen – unmöglich war, sah ich öfter den Beifahrer aussteigen, der das Auto zurückschieben musste. Das war natürlich nur auf den Nebenstraßen hier im Wohngebiet. In der Stadt und auf den Haupstraßen sah es schon etwas besser aus. Obwohl auch in der Fußgnägerzone der Schnee nicht geschoben worden war.

Die Rückfahrt nach England ging an der Küste entlang. Interessanterweise sieht man hier, dass Schnee gar nicht auf dem Meer liegen bleibt.
Obwohl es eigentlich nicht furchtbar viel Schnee war – zumindest für meine Warhnehmung – wurde überall von der schlimmsten Naturkatastrophe der letzten 30 Jahre gesprochen. Die Nachrichten waren voll von Bildern von verstopften Flughäfen (ich weiß, das gab es auch in Paris, Düsseldorf und Madrid) und Autobahnen, auf denen nix mehr ging.
Die schönste Geschichte ist, dass im höchstgelegenen Pub Englands irgendwo in Yorkshire 50 Gäste bei einer Silvesterparty eingeschneit wurden und dann drei Tage warten mussten, bevor sie freigeschaufelt wurden. Aber ein Pub ist wahrscheinlich nicht der schlechteste Ort. Außerdem konnten sie so viel länger feiern.
Leider ist der ganze Winter jetzt schon vorbei. Es waren am Montag schon wieder 8°C.



