
Als ich versuche über eine Brücke in die Altstadt Durhams zu gelangen, werde ich von Möwen angegriffen.
Am vorletzten Samstag war ich mit der Erasmus Society in Durham. Die Zugfahrt dorthin dauert etwa eine Viertelstunde und Hin- und Rückfahrt kosten £4,50. Durham liegt in einer Schleife des Flusses Wear und damit ist die (Alt-)Stadt von drei Seiten mit Wasser umgeben.

Die Kathedrale von Durham aus dem 11. Jhdt. und die Telefonzelle von Durham aus dem 20. Jhdt.
Diese Lage machte Durham relativ sicher. Da im Jahre 793 die Wikinger das Kloster der Insel Lindisfarne als ihr erstes Reiseziel auswählten, flohen die Mönche mit den Gebeinen des heiligen Cuthbert – da sie die Wikinger nicht weiter touristisch unterhalten konnten und wollten – nach Jarrow. Als die Wikinger das bemerkten, zogen sie ihrerseits nach Jarrow, um weiter Geld und Gold der Mönche zu erbeuten. Da die Mönche ihre Abneigung gegenüber den Nordmännern noch nicht überwunden hatten, flohen sie weiter – mit noch mehr Knochen beladen; denn sie hatten auch die Reste des Beda (‘the Venerable Bede’) aus Jarrow mit dabei – bis nach Durham, wo man sich so sicher fühlte, dass man das Kloster wiederaufbaute und im 11 Jhdt. begann, eine riesige Kathedrale zu bauen und darin die Reliquien der beiden Heiligen aufzubewahren.
Heute ist Durham eine etwa 40,000 Einwohner zählende Stadt, die vor allem wegen ihrer Universität bekannt ist. Die University of Durham soll die drittbeste englische (nicht britische; das ist wahrscheinlich St Andrew’s im schottischen Norden) Universität sein. Menschen aus Durham meinen, dass sei kein Wunder, denn in Durham gäbe es ja außer Kathedrale und Uni nichts. Wahrscheinlich gehen die 17,000 Studenten alle samstagabends in die Bibo, weil sie keine Disco in Durham haben.

Durham Castle ist heute ein Studentenwohnheim. Die Studenten bieten gegen eine Gebühr eine Fühurng durch die Burg an. Dann zeigen sie die Verliese, in denen ihre Kommilitonen auf Folterinstrumente gekettet für ihre Klausur lernen.
Ganz nebenbei für die Filmophilen unter euch: In Durham wurde das BBC-Drama ‘Billy Elliot’ gedreht.
Ansonsten ist der Ort ganz schön und einen Ausflug wert. (Oh, ich kann bald damit anfangen, Reiseführer zu schreiben.) Also, wenn ihr mal im Lande seid und einen Samstagnachmittag frei habt und die Aufnahmeprüfung in Oxford und Cambridge nicht geschafft hat und als kleiner Junge schon immer mal Ballett tanzen wolltet… kommt nach Durham!

Ach, immer wieder schön, deine eloquenten und mit Humor gespickten Texte zu lesen.
Ein treuer Fan
jaja, die möwen hast du bestimmt beim lunch gestört und von der brücke gecheucht – dafür werden sie sich fürchterlich rächen…
schönes wetter habt’er da gehabt. die gebäude sehen auch sehr eindrucksvoll aus. das studentenwohnheim is natürlich krass, da bekommt “my home is my castle” gleich ne neue bedeutung. hihi.
Hi Christian,
da ich deine normale Mailadresse gerade nicht zur Hand habe, versuch ich es mal mit einem Kommentar: bist du schon wieder in D? Und ab wann in Halle?
Viele liebe Grüße
Jenny
PS: du aktualisierst deinen Blog eindeutig zu selten