Vor schon allzu langer Zeit war ich in York. York liegt im Nordosten Englands, genauer gesagt in Yorkshire, und ist – wenn man dem Reiseführer glaubt – die schönste Stadt im Norden. Das liegt vor allem daran, dass die Stadt schon furchtbar alt ist.

Yorks Stadtmauer, die auch heute noch die Innenstadt umgibt und zu manchen Verkehrssproblemen führen kann
Sie wurde von den Römern um ca. 100 nach Christus auf einer älteren keltischen Siedlung gegründet und Eboracum genannt. Da Eboracum auf Latein nichts bedeutet, vermutet man. dass der Name auf den ursprünglichen keltischen Namen der Siedlung zurückgeht, der mit dem heutigen walisischen, irischen und schottischen Wörtern für ‘Eibe’ (das ist ein Baum) übereinstimmt, und ‘Eboracum’ also so etwas wie ‘Ort mit Eiben’ bedeutet. Ein großes Ereignis für das römische York war, dass hier Kaiser Constantius starb und sein Sohn Konstantin sich hier zum Kaiser proklamierte. Konstantin ist bekannt, weil er nachher in Trier wohnte und als erster römischer Kaiser zum Christentum konvertierte.
Wie es sich für guten römischen Kolonialismus gehörte, wurden Straßen, Abwasserleitungen, ein Militärlager und Bäder angelegt. Und auch heute ist der Straßenverlauf der Altstadt immer noch an den römischen Wegen ausgerichtet; also mit rechten Winkeln und im Quadratmuster, wie man es heute nur aus amerikanischen Städten wie dem neuen York kennt.

Yorks Altstadt wird von alten Fachwerkhäusern und alten Menschen geprägt
Nachdem die Römer im 5. Jhdt. aus Britannien abzogen und kurz darauf die Angelsachsen England in sieben Königreiche aufteilten, wurde York zur Hauptstadt des größten und nördlichen Königreiches Northumberland. Sie nannten die Stadt ‘Eoforwic’, was altenglisch für ‘Platz der Eber (=Wildschweine)’ ist, also etwas vollkommen anderes bedeutet, aber sich so ähnlich wie der lateinische Name anhört. Da die Angeln auch nur mit Wasser kochten, aber vor allem weil sie nur mit Holz bauten, ist wenig aus dieser Zeit erhalten. Man weiß nur, dass aus dem Römerlager eine Kirche errichtet wurde, die später zum Sitz des zweiten Erzbistum Britanniens wurde (das andere ist in Canterbury im Süden).

Da die Leute im Mittelalter sehr klein waren, sind die Straßen sehr eng. Da sie im Mittelater auch noch nicht so gut bauen konnten, sind die Häuser alle schief.
Während der Wikingerinvasionen war York eines der Hauptausflugsziele, was auch an seiner Nähe zu Norwegen und Dänemark, der Heimat der Nordmänner, lag. Nachdem den Wikingern die sommerlichen Raubausflüge zu stressig geworden waren, beschlossen diese, sich permanent in Britannien niederzulassen und nahmen zu diesem Zwecke die heutigen Grafschaften Yorkshire und Lincolnshire ein. Eoforwic blieb Hauptstadt, wurde aber zu dem auf altnordisch einfacher auszusprechenden ‘Jórvík’ umbenannt.

York Minster (vorn), York City (hinten)
Nachdem die Wikinger vertrieben wurden und König Edwin England zu einem einzigen Königreich vereint hatte, kam bald die normannische Invasion, die eine Menge änderte. Der Name wurde ‘Yourke’ und bald war man auch bei der heutigen Version ‘York’ angekommen. Allerdings waren die Normannen wie die Römer wieder talentierter im Steinbau, so dass aus dieser Zeit wenigstens Gebäude erhalten sind. Sie setzten der römischen Stadmauer ein Update auf und die Kirche wurde zweimal vergrößert (oder wohl eher abgerissen und noch einmal größer wiederaufgebaut), bis sie zur ihren heutigen, die Stadt dominierenden Ausmaßen kam. Unter dem heutigen Dom kann man die Mauerreste der römischen und normannischen Bauten begutachten. Heute ist die Kirche erstens eine ‘Cathedral’ (also ein Bischofssitz) und zweitens auch ein ‘Minster’ (also ein Zetrum für Missionarstätigkeit), York ist immer noch eines der beiden englischen Erzbistümer (Canterbury ist auch immer noch das andere), obwohl die englische Kirche sich mit der Reformation 1508 von Rom und Katholizismus lossagte.
Dies alles und noch viel mehr erfährt man, wenn man wie wir £11 Pfund für Eintritt und Turmbesteigung des Münsters ausgibt. Wir haben auch sonst wenig Anderes in York gemacht, weil wir ja den größten Wert aus dem Eintritt schöpfen wollten.

Der York Minster ist so groß, dass er nicht auf ein einziges Bild passte, sondern aus mehreren Bildern mit dem Computer zusammengepuzzelt werden musste.